Gymnasium und Mainz 05 sind Partner
Auftakt zum Schulprojekt: Bundesliga-Kicker beantworteten viele Fragen
Schulprojekte gibt es viele. Aber dieses war gar nicht so einfach ins Leben zu rufen und soll nun ein besonders nachhaltiges sein, das schon als Beginn einer langen Freundschaft deklariert wird.
IDAR-OBERSTEIN. Gestern fiel der Startschuss für das neue Schulpartnerschaftsprojekt zwischen dem Göttenbach-Gymnasium und dem FSV Mainz 05. Da war die Begeisterung in der Aula groß: Als Vertreter des kultigen Vereins aus der Landeshauptstadt waren die beiden Spieler Niko Bungert (23) und Bo Svensson (30) zu Gast. Und die hatten so überhaupt keine Starallüren, kamen mächtig locker und sympathisch rüber - wie sich das für den (zurzeit sehr erfolgreichen) Mainzer Bundesligisten, der sich gerne als der etwas andere Verein darstellt, gehört. Begleitet wurden die Kicker von Karl-Heinz Elsässer, der dem Vorstand des FSV angehört. Die Göttenbacher seien extrem stolz, nun zu den Partnerschulen des im März 2009 ins Leben gerufenen Projekts zu gehören; bislang kamen nur Schulen rund um Mainz in den Genuss, betonte Schulleiterin Angelika Gröneveld-Olthoff, die auch Landrat Axel Redmer - bekanntermaßen Fußballfan - begrüßte. Die Direktorin stellte klar: "Ich bin ein Fan von Teamarbeit und erhoffe mir durchs Projekt viele gute Ansätze. Mainz ist die Landeshauptstadt. Und wir zeigen nun eine besondere Verbundenheit." Sie mahnte die Schüler schmunzelnd zur Fairness: "Die Lautern-Fans sollten sich zurückhalten. Der FCK bietet ein solch tolles Projekt nicht an."
Bei aller Freude konnte ein Thema dieser Tage nicht ignoriert werden: der Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke. Für den berühmten Fußballer wurde eine Gedenkminute eingelegt. Die Pädagogin dazu: "Man sollte nicht vergessen, dass hinter den Fußballern, die für viele Idole sind, auch ganz normale Menschen stecken. Vergesst das nicht!"

Studienrat Andreas Guth, seit Jahrzehnten ein leidenschaftlicher Fan der Mainzer, erläuterte das Projekt: "Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ich hoffe auch auf Impulse aus der Schülerschaft." Die thematische Kooperation kann sich auf den sportlichen, aber auch auf den gesellschaftlichen Bereich beziehen. Ein Konditionstraining in der Schule mit einem Experten vom FSV, eine Aufarbeitung des Stadionbaues - vieles sei fächerübergreifend denkbar. Guth hofft auf Nachhaltiges: "Ich will die Geschichte nicht überfrachten. Zwei, drei Projekte im Jahr reichen." Ein Projektteam, dem Lehrer und Eltern angehören, wird die Zusammenarbeit koordinieren und gemeinsam mit den Schülern mit Leben füllen.

Anschließend wurde ein kurzer Film über den FSV Mainz 05 gezeigt. Erfolg und Emotionen, Kult und Kreativität, Freude über Aufstiege in die 1. Liga, Tränen beim Abstieg und bei verpassten Chancen, die Verbundenheit der Mainzer zur Fastnacht und ihrem Verein, die Fairness gegenüber anderen Vereinen. Schnell wurde deutlich, dass der FSV Mainz eigentlich der geborene und vermutlich ewige Meister der Herzen ist. Einen Fragenkatalog hatten die Jugendlichen vorbereitet: Wie sieht das Training aus? Darf man als Profi abends auch ausgehen? Hat man noch einen anderen Verein, für den man mitfiebert? Wer sind die schwersten Gegner? Kümmert sich ein Psychologe um die gestressten Kicker? Wollte man schon als Kind Profi werden? Bereitwillig und durchdacht gaben der Däne Svensson und Jungstar Bungert Auskunft - bevor dann der "Run" auf die Autogramme begann. Diese Chance ließen sich die - sehr disziplinierten - Gymnasiasten nicht entgehen. (vm)
Nahe Zeitung vom Freitag, 13. November 2009, Seite 18.