Im Rahmen des Methodentages bekamen die Schülerinnen und Schüler des Göttenbach-Gymnasiums die mittlerweile selten gewordene Möglichkeit einen Zeitzeugen des Holocaust zu treffen. Der 87-jährige Martin Schmitz aus Bernkastel-Kues nahm den Weg auf sich, um den Jugendlichen seine Geschichte und Erlebnisse während der Zeit des Nationalsozialismus zu erzählen.
In den ersten beiden Unterrichtsstunden hatten die, in Kleingruppen aufgeteilten, Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, sich mit einem Text über die Thematik der Judenverfolgung während des zweiten Weltkrieges zu befassen.
Im Anschluss fanden sich die Kleingruppen zusammen und wurden von Studiendirektor R. Strauß, der die Veranstaltung geplant hatte, begrüßt. Nach dessen einleitenden Worten konnte der Zeitzeugenbericht beginnen. Durch seinen Witz und die jugendliche Art gewann Martin Schmitz schnell die Sympathie der Jugendlichen, die nun gebannt seinem Bericht folgten.
Martin Schmitz wurde am 30.12.1921 in Traben-Trarbach geboren. Seine Eltern waren im kaufmännischen Bereich tätig und besaßen einen Laden gegenüber des Rathauses. Er besuchte die Volkshochschule in Traben-Trarbach und ging anschließend auf das dortige Gymnasium. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft musste er dieses allerdings nach vier Jahren verlassen. Da er durch den Laden seiner Eltern in die kaufmännischen Tätigkeiten eingearbeitet war, konnte er in Köln einen Betrieb mit mehreren Zweigstellen führen. Dieser Arbeit ging er bis weit in die Zeit des Nationalsozialismus nach, bis er schließlich 1941 mit seinen Eltern nach Auschwitz deportiert wurde. Bei der Ankunft am Konzentrationslager trennten sich die Wege zwischen ihm und seiner Eltern endgültig. Diese, so vermutet er, wurden mit großer Wahrscheinlichkeit vergast. Für Martin Schmitz begann nun ein Kampf ums Überleben, welcher ihm auch, trotz weiterer Aufenthalte in Konzentrationslagern und dem Todesmarsch, gelang. Im Frühjahr 1945 wurde er, in einem kaum lebensfähigen Zustand von Engländern aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimat zurück, gründete bald eine Familie und ging dem Beruf des Verwaltungsbeamten nach.
Vier Schulstunden lauschten die Schülerinnen und Schüler diesen Schilderungen, und waren besonders schockiert, als Martin Schmitz seinen linken Unterarm freimachte, um die tätowierte Nummer aus dem KZ Auschwitz zu zeigen.
Die Aufklärung der Geschehnisse im III Reich ist zu einem zentralen Lebensinhalt von Martin Schmitz geworden. So besucht er regelmäßig verschiedene Schulen und berichtet von den Grauen jener Tage. Besonders wichtig ist ihm, dass sich die heutige Jugend kritisch gegenüber Diskriminierungen jeder Art auseinandersetzt, um so das zu verhindern, was ihm widerfahren ist.
Anna Elisa Wedekind


