Von mittelständischen Intellektuellen und freundlichen Nachbarn

IMG_0150
Am 23. Oktober fand ein Workshop für die Englisch-Leistungskurse von Frau Pockeleit der MSS 12 und 13 im Göttenbach-Gymnasium statt. Dazu ist Wolfgang Tönnesmann, Politikwissenschaftler von der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, aus Kaiserslautern angereist, um den Schülern die politischen Ereignisse der Präsidentschaftswahlen in den USA näher zu bringen.

Der Workshop begann mit einem Fragebogen zu den Präsidentschaftswahlen, der später auch ausgewertet werden sollte. Die Voraussetzungen der Kandidatur wurden danach thematisiert, so sollte ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat eine unmissverständliche Portion Patriotismus mitbringen, sich religiös geben, möglichst einer Partei angehören und natürlich eine positive „Message“ (Slogan) als Markenzeichen präsentieren. So lautet eine selbst in Deutschland bekannte Message vom Präsidentschaftskandidat für die Demokratische Partei Barack Obama „Yes, we can(change).“ Zudem ist sehr viel Geld für die Finanzierung des Wahlkampfes notwendig für die erfolgreiche Aussicht auf das Amt von Nöten. Anders als in Deutschland, gibt es keine Gelder vom Staat zur Finanzierung von Wahlkämpfen, in der Demokratie der USA ist das private Sache. In gutem und verständlichem Englisch fuhr Tönnesmann mit Einblicken zu „The long race“ (Das lange Rennen) der Präsidentschaftskandidatur fort – hier wurde das Wahlsystem in den USA verdeutlicht. Kandidaten müssen z.B. die Mehrheit der Stimmen in den einzelnen Staaten erreichen, wobei nicht wie in Deutschland das Verhältnisprinzip gilt, sondern das Prinzip „The winner takes all“ (Der Gewinner bekommt alles). Somit fallen Stimmen für Kandidaten, die in der Minderheit sind, unter den Tisch und der Kandidat mit Mehrheit gewinnt alle Stimmen eines einzelnen Staates, bei denen die Wichtigkeit verschieden verteilt ist. Weiter ging es näher an die Kandidaten: Eine kleine Analyse der Wahlkampfstrategien. Wie schafft es ein Kandidat solch eine ungeheure Menge Menschen in den USA zu erreichen und für sich zu gewinnen? Hierbei spielt das Internet eine immer größere Rolle, wenn auch das Fernsehen nach wie vor die größte spielt. Durch Fernsehspots von Barack Obama und McCain wurden die Fernsehstrategien verdeutlicht.

IMG_0153
Nachdem die Schüler gelernt hatten, wie man Wähler für sich gewinnen kann, kam der Referent zum Herzstück des Themas: Die Kandidaten. Für die Demokraten tritt Barack Obama und für die Republikaner tritt John McCain an. Beide Persönlichkeiten wurden unter die Lupe genommen und ihre Interessen und biografische Hintergründe aufgezeigt. So findet man z.B. bei McCain Vorliebe für Schokoladeneiskreme oder Pizza und Rock’n’Roll , während bei Obama selbst gemachtes Chilli, Jazz und Johann Sebastian Bach dominieren. Klar wird dadurch, welche Wähler die Kandidaten ansprechen. Barack Obama zeichnet das Bild eines wohlerzogenen und gebildeten Intellektuellen, während John McCain den freundlichen Nachbar von nebenan spielt und dazu noch Veteran im Vietnamkrieg ist.

Gegen Ende bestand der letzte Teil des Workshops aus der Bekanntmachung der politischen Positionen der Präsidentschaftskandidaten. Das war die Vorbereitung zu einem Rollenspiel, bei dem eine TV-Debatte nachgespielt werden sollte. Die Lerngruppen wurden in einen Moderator, Journalisten, Präsidentschaftskandidaten und deren Berater aufgeteilt und für ihre Rolle Zeit zur Vorbereitung gegeben. Erstaunlich authentisch simulierten die Kandidaten die politischen Ideologien, die die realen Kandidaten vertreten und antworteten in diesem Sinn auf die Fragen der Journalisten. In dieser „TV-Debatte“ schien McCain zu dominieren, was vermutlich dem Humor des Schauspielers zu verdanken war.

IMG_0157
Abschließend kann man sagen, dass dieser Workshop interessante und nachdenkliche Einblicke in die politische Welt der USA gegeben hat und die Vorgänge in den Nachrichten, auch in den deutschen, verständlicher gemacht hat. Er war ein Beitrag zu deutsch-amerikanischen Beziehungen und Politikunterricht zugleich. Die Hoffnung bleibt auf den von Barack Obama beschwörten „Change“ in den USA, nicht nur in den USA und in Deutschland.

Georg Frischbuter, MSS12